02.02.2011: Optimismus des deutschen und europÀischen Sportfachhandels weiter ungebrochen

Statement zur ispo Winter 2011 von VDS- und Fedas-PrÀsident Werner Haizmann

Der deutsche Sportfachhandel erzielte nach einem Umsatzplus von 3,5 Prozent im Jahr 2009 im Jahr 2010 erneut ein Plus von 3,5 Prozent. Dabei stiegen die Einnahmen der deutschen SportfachhÀndler von 7,3 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2010.

Parallel kletterten die europÀischen UmsÀtze im Sportfachhandel nach 2009 auch 2010 erneut um 3 Prozent von 38,6 Milliarden Euro auf 39,75 Milliarden Euro.

Damit setzt sich im deutschen und europĂ€ischen Sportfachhandel der Trend der letzten fĂŒnf Jahre fort, sich mit den UmsĂ€tzen und ihren jĂ€hrlichen Steigerungsraten deutlich von den UmsĂ€tzen anderer Branchen abzukoppeln.

Einer der wichtigsten GrĂŒnde fĂŒr die Markterfolge des Sportfachhandels ist die Tatsache, dass Jahr fĂŒr Jahr das Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher wĂ€chst. MĂ€nner, Frauen und Kinder, ob jung oder alt, bei vielen gehört der regelmĂ€ĂŸige Sport zum Tagesablauf. Deshalb haben sie in den zurĂŒckliegenden Jahren trotz einer allgemeinen Rezession in Europa immer wieder in entsprechende AusrĂŒstungen investiert. Sie nutzen damit Jahr fĂŒr Jahr stĂ€rker die vielfĂ€ltigen lokalen, nationalen und internationalen Freizeitangebote, von der Kreuzfahrt bis zum Rockerskiing.

Ein Beispiel fĂŒr den boomenden Sportmarkt in Europa ist zweifellos der deutsche Markt. Deshalb herrscht hier der schĂ€rfste Wettbewerb in ganz Europa.

2010 begann mit einem traumhaften Winterwetter und mit den Olympischen Spielen in Vancouver. Das setzte sich mit prĂ€chtigem Outdoorwetter fort und fĂŒhrte uns gemeinsam zu unserem grĂ¶ĂŸten Umsatzhöhepunkt im Teamsport, der Fußballweltmeisterschaft in SĂŒdafrika. Das Jahr schloss wieder mit einem Bilderbuchwinter, von dem wir hoffen, dass er in den wichtigsten Skiregionen bis zu den spĂ€ten Osterferien 2011 reichen wird.

Die Treiber des Umsatzwachstums in den deutschen SportfachgeschĂ€ften waren unter anderem: das phĂ€nomenale WintergeschĂ€ft, das uns nach einem Umsatzzuwachs von 10 Prozent im Jahr 2008 und einem Umsatzzuwachs von 20 Prozent in 2009 jetzt erneut einen Umsatzschub von weiteren 20 Prozent bescherte. Wir haben auch 2010 wieder einen krĂ€ftigen Schluck aus der Umsatzpulle gemacht. Er war fĂŒr die weitere Existenz der deutschen SportfachgeschĂ€fte am heiß umkĂ€mpften Freizeitmarkt in Deutschland sehr wichtig.

Eine Ă€hnliche Entwicklung erlebten die UmsĂ€tze in den klassischen AlpenlĂ€ndern in Europa, zu denen neben Österreich und der Schweiz auch Italien, Frankreich und Spanien gehören. Interessant dabei ist festzuhalten, dass in diesen LĂ€ndern Europas zum ersten Mal in einer Wintersaison mehr Skischuhe als Ski verkauft wurden. Das liegt daran, dass in ganz Europa der Verbraucher, trotz des Trends zum Skileihen, auf keinen Fall auf die eigenen Skischuhe verzichten will. Hier macht der Sportfachhandel einen großen Teil seines Gewinns im Wintersportbereich.

Zu den guten UmsĂ€tzen trĂ€gt das immer noch steigende GeschĂ€ft mit den Accessoires bei. Der Verbraucher deckt sich beim Sportfachhandel von der SkiunterwĂ€sche ĂŒber Sportsocken, Handschuhe, Schals, MĂŒtzen bis hin zu Protektoren, Brillen und Helmen mit entsprechender Markenware ein. Bei Helmen allerdings blieb im vergangenen Jahr der Umsatz stabil, nachdem es im Vorjahr einen nie gekannten Run auf Helme gegeben hat. In diesem Bereich ist die RĂŒckkehr zu hochwertigen Markenprodukten und die damit verbundene Absage auf billig und immer billiger deutlich spĂŒrbar.

Eine wichtige Beobachtung, die viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Vorweihnachts- und WeihnachtsgeschÀft gemacht haben: Die UmsÀtze an Kinderskibekleidung sind in ganz Deutschland so stark gestiegen, dass es vor Weihnachten bereits keine Kinderskihosen mehr gab. Wegen der Lieferung dieser Teile aus Fernost konnte der Handel keine zusÀtzliche Sofortorder mehr platzieren.

Dieses Beispiel zeigt, dass in diesem Winter vor allem entsprechende sportliche Bekleidung fĂŒr alle Gelegenheiten die UmsĂ€tze positiv beeinflusst. Hier konnte ebenfalls wegen des boomenden Winterwetters nicht jede spĂ€te Kundennachfrage nach bestimmten Modellen sofort erfĂŒllt werden. So sind bis heute noch Winterartikel wie Schlitten oder Langlaufski ausverkauft, denn die Industrie kam trotz Sonderschichten nicht nach, die Nachorder zeitgemĂ€ĂŸ zu erfĂŒllen.

Ein weiterer Wachstumstreiber im deutschen Sportfachhandel und im europÀischen Markt ist das OutdoorgeschÀft. Hier gab es in Deutschland im Jahr 2010 erneut eine Umsatzsteigerung von zirka 20 Prozent. Im Jahr 2008 war hier der Umsatz bereits um 14 Prozent und 2009 um 15 Prozent gestiegen.

Dank der hervorragenden UmsĂ€tze im Rahmen der Fußball-WM und des guten Abschneidens der deutschen Nationalmannschaft konnte der deutsche Sportfachhandel seine UmsĂ€tze im Teamsportbereich ebenfalls um 25 Prozent steigern. Von dieser WM profitierten natĂŒrlich auch die UmsĂ€tze in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern, in denen die Fußballbegeisterung seit jeher keine Grenzen kennt.

Der Umsatz von Runningschuhen steigerte sich 2010 um 3 Prozent. Bei diesem Ergebnis zeigt sich wieder die ausgezeichnete Beratungs- und Servicekompetenz des Fachhandels.

Die Umsatzzahlen bei Fitness und Workout sind mit fĂŒnf Prozent so hoch wie im Vorjahr und auch der Tennismarkt konnte sich nach einer Umsatzsteigerung von 2 Prozent im Jahr 2009 auf dem Niveau des letzten Jahres halten.

Im Mittelpunkt des Fachhandelsinteresses im Bereich Wintersport steht zweifellos bei der Hartware Ski die Rockerinitiativen der Markenartikelindustrie. Sie sollen die stĂ€rkere Durchsetzung dieses neuen SkivergnĂŒgens auf dem Markt beschleunigen. Hier haben die großen Verbundgruppen unserer Branche wie Intersport und Sport 2000 in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Markenindustrie im Wintersport entsprechende Programme entwickelt und in ihr Angebot aufgenommen. Der Handel erhofft sich auf der ispo zusĂ€tzlich noch weitere neue und schlĂŒssige Umsatzimpulse.

Als deutsche und europĂ€ische SportfachhĂ€ndler kommen wir mit den geschilderten guten Umsatzerfahrungen im Jahr 2010 sehr positiv gestimmt zur ispo Winter 2011. Hier informieren wir uns ausfĂŒhrlich ĂŒber das Neuheitenangebot der gesamten internationalen Markenartikelindustrie. Auf diese Infos bauen wir unsere spĂ€teren Orderentscheidungen auf.

Wir haben sie in den letzten Jahren von der ispo ausgehend mit immer besserem Augenmaß und immer besserem Zahlenmaterial aus unseren eigenen GeschĂ€ften getroffen. Das beweist, dass viele Kolleginnen und Kollegen in diesem Winter ihre Lager deutlich und sogar bis auf Null abgebaut haben. Dadurch haben sich die Durchschnittsumschlagzahlen deutlich und profitabel erhöht.

Die hohen UmsatzzuwĂ€chse, die beispielsweise die beiden großen Verbundgruppen unserer Branche erzielen, zeigen uns als mittelstĂ€ndischer Berufsverband, dass sich unsere Mitglieder ĂŒber ihre Zukunft in den kommenden Jahren keine Sorgen machen mĂŒssen.

Die im Verband Deutscher Sportfachhandel VDS zusammengeschlossenen, meist mittelstÀndisch aufgestellten HÀndler sind nach wie vor die vom deutschen Verbraucher akzeptierten und frequentierten Rundum-Wellnessberater der Nation.

Die hohen UmsÀtze unserer Verbundgruppen Intersport und Sport 2000 im Jahr 2010 zeigen eines deutlich: Der mittelstÀndische deutsche Sportfachhandel hat auch im vergangenen Jahr seinen 60-prozentigen Anteil am Gesamtumsatz des Sporthandels gehalten.

Die Kunden des deutschen Fachhandels honorieren eindeutig seine Beratungs- und ServicestĂ€rke verbunden mit einer dem jeweiligen Standort exakt angepassten Sortimentsgestaltung. FĂŒr diese Leistung und fĂŒr das Markenangebot, das sie trĂ€gt, war man bereits in den letzten Jahren bereit, und ist es heute noch verstĂ€rkt, gutes Geld fĂŒr gute Ware auszugeben.

Damit signalisiert der Verbraucher, dass er nicht ausschließlich der SchnĂ€ppchenjĂ€ger ist, sondern durchaus die klugen GeschĂ€ftskonzepte des Sportfachhandels, die ein entsprechendes Internetangebot einschließen, zu schĂ€tzen weiß.

Die KundennĂ€he, die wir als deutscher Sportfachhandel haben, hat uns im Land geholfen, seit Jahren in anderen LĂ€ndern erfolgreiche Großanbieter und Handelsgruppen bei ihrem Eintritt in den Markt in Schach zu halten. Im Gegensatz zu manchen Kollegen in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern, denen das weniger gut gelungen ist.

Das gilt gleichfalls fĂŒr das Wachstum der Monomarken-GeschĂ€fte. Trotz seiner manchmal sehr tief verwurzelten Liebe des Verbrauchers zu dem Angebot einer Marke will er als Kunde seine EinkĂ€ufe aber lieber in den MultimarkenfachgeschĂ€ften erledigen. Denn in diesen GeschĂ€ften stellen ihnen umfassend geschulte Verkaufsberater ihre AusrĂŒstung aus einem vielfĂ€ltigen Markenangebot wunsch- und passgenau bereit. Dass sie das können, dafĂŒr sorgt seit mehr als 20 Jahren der Super-Cup des VDS, der mit mehr als 1600 jĂ€hrlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der grĂ¶ĂŸte Wettbewerb seiner Art in Europa ist.

Das ist einer der GrĂŒnde, warum wir als Fachhandel auf der Messe nicht nur ĂŒber das umfangreiche Neuheitenangebot sprechen, sondern wie im letzten Jahr bereits und in diesem Jahr noch verstĂ€rkt ĂŒber Preise. Hier werden wir harte GesprĂ€che fĂŒhren. Denn wir FachhĂ€ndler spĂŒren, dass der Run unserer Markenpartner auf die Fertigung im angeblichen Billiglohnland China seinen Höhepunkt ĂŒberschritten hat.

In Folge der chinesischen Wirtschaftspolitik, der in China von Jahr zu Jahr steigenden Löhne und der hohen Sozial- und Umweltstandards, die der europĂ€ische Verbraucher fordert, kam es bereits in diesem Jahr nicht nur zu verspĂ€teten, sondern auch zu qualitativ zu beanstandenden Lieferungen aus dem Land der Mitte und natĂŒrlich zu Preiserhöhungen.

Als Folge davon fĂ€hrt beispielsweise die Intersport International als der weltgrĂ¶ĂŸte SportfachhĂ€ndler fĂŒr das kommende Jahr die Produktion ihrer Exklusivmarken in China von 75 auf unter 50 Prozent zurĂŒck. Gleichzeitig sucht sie mit der Branche zusammen neue Produktionsmöglichkeiten in Bangladesh oder in Indien.

Wir werden als Fachhandel bei der ispo 2011 Winter in unseren MarktgesprĂ€chen deutlich spĂŒren, dass unsere Industriepartner wieder verstĂ€rkt Anstrengungen unternehmen, um neue ProduktionsstĂ€tten in Osteuropa zu nutzen. Damit wollen sie Produktion und Markt wieder schneller zusammenfĂŒhren. Das gilt vor allem fĂŒr den schnelleren Modellwechsel im Textilbereich.

Wir werden als FachhÀndler in Zukunft weiter sehr darauf achten, mit welchen Marken und zu welchen Konditionen wir arbeiten. Hier kommt es zweifellos zu einer weiteren Bereinigung und zu einer weiteren Konzentration der Marken am Markt.

In Folge der weltweit stark gestiegenen Rohstoffpreise wird es zusĂ€tzlich in den kommenden Jahren zu unabwendbaren Preiserhöhungen kommen. Über deren Höhe kann allerdings erst abschließend nach allen Orderrunden unserer Branche in zirka zwei Monaten eine gesicherte Auskunft gegeben werden. Bis dahin bleibt alles zu diesem Thema bloße Spekulation.

Über ein Thema mĂŒssen wir aber nicht spekulieren: Nach wie vor ist und bleibt die von unserem Verband mit geschaffene Weltmesse ispo die weltweit grĂ¶ĂŸte und beste Informationsplattform fĂŒr den internationalen Sportfachhandel und die internationale Sportartikelindustrie. Ein Muss fĂŒr jeden SportartikelhĂ€ndler der Welt.

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